Materialien

 

Zur bildungspolitischen Situation

Wir sind zwar eine sehr kleine Stiftung, haben in unserem Wirkungskreis aber dennoch eigene Ansichten zu den bildungspolitischen (oder nur bildungswirtschaftlichen?) Entwicklungen: so meinen wir zum Beispiel, dass der Entfaltungsraum für persönliche Ansätze und individuelle Begabungen immer kleiner wird. Das können wir mit unseren materiellen und ideellen Mitteln zwar nicht ändern, aber wir können uns zu anderen Werten bekennen. –

Wir sind als Stiftung und auch „privat“ eingebunden in die augenblickliche Entwicklung, die wir zwar kaum beeinflussen können, die wir aber für bedenklich halten  -  auch in dem Sinn, dass wir nicht bereit sind, uns das eigene Denken abzugewöhnen.

In diesem Sinn wollen wir auf unserer Materialseite Ansichten aus den Problemfeldern dokumentieren, in denen wir denkerisch und handelnd aktiv sein wollen und sind.

 

Antoine de Saint- Exupéry

nach Bologna

Willst du ein Schiff bauen, so rufe
Willst du ein Studium beginnen, so hat
nicht die Menschen zusammen,
die OECD schon längst ihren Plan verwirklicht
um Pläne zu machen,
von einem einheitlichen europäischen Hochschulraum,
Arbeit zu verteilen,
dein workload ist festgelegt,
Werkzeuge zu holen und
Module sind herbeigeplant und
Holz zu schlagen,
enge Leistungskontrollen eingeführt,
sondern
du aber
lehre sie die Sehnsucht nach
erhalte dir die Sehnsucht nach
dem großen endlosen Meer.
dem großen erfüllenden Wissen.

 

Jens Knolle

 

 

Studium und Zeit

Die notwendige Wiederentdeckung der Langsamkeit

Mit dem Studium der Philosophie hat man sich nicht nur dafür entschieden ein bestimmtes Fach an der Universität zu studieren, sondern auch jene traditionelle Disziplin des Denkens, welche eine schier unüberschaubare Fülle von Denkwegen bereithält. Mit der Zielsetzung, sich in der Philosophie gut auszukennen und Geisteswissenschaftler zu werden, begibt man sich auf einen Pfad dauerhaften Nachdenkens, Reflektierens und Lernens. Es liegt nahe, dass es dabei einiger Zeit bedarf, um dieses Studien- und Lebensziel zu erreichen.

Angesichts der heutigen Studienstruktur von Bachelor und Master fällt dies allerdings nicht ganz so leicht. Ständige Prüfungen, straff organisierte Module und ein anhalten-der Termindruck machen ein fundiertes, selbstständiges Lernen schwer. Von einem Studenten der Geisteswissenschaften wird verlangt, dass er in der Lage sein muss, sich Themengebiete nicht nur auf hohem akademischen Niveau anzueignen, sondern sie sich und anderen sowohl lebendig, als auch interessant und relevant zu machen.

Im Studium kommt es neben dem gezielten Lernen der Objekte in den Wissensgebieten darauf an, selbsttätige, individuelle Begegnungen mit der Philosophie anzustreben, mit anderen Worten: Man ist bemüht, den Blick für die eigene Liebe zur Weisheit zu schärfen und zu konkretisieren. Wenngleich es den Betreibern der Studienveränderungen in einem Prozess der zunehmenden Ökonomisierung der Wissenschaftskultur schwer fällt, Studienverläufe unter dem Gesichtspunkt der Verwertbarkeit unkontrolliert zu lassen, scheint es unabdingbar den Studierenden Zeit zu lassen, um sich und ihr Fach weiterzuentwickeln. Disziplinen wie die Philosophie leben von der schöpferischen Kraft ihrer Persönlichkeiten. Demnach scheint eine Wiederentdeckung der Langsamkeit notwendig zu sein.

Dominik Schönherr

 

 

Humboldts Begräbnis - Zehn Jahre Bologna-Prozess
von Wolfgang Lieb
Artikel lesen

 

„Was ist verlässlich im Leben?“ (Aus einem Gespräch mit Dieter Henrich)
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"Vom Verschwinden des Lehrers" von Nils B. Schulz
aus: Scheidewege. Jahresschrift für skeptisches Denken, 2007
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